Immobilienfinanzierung: Ohne Eigenkapital zum Eigentum?

Als Konsequenz aus der Krise auf dem US-Immobilienmarkt stellen auch immer mehr Verbraucher in Deutschland die Frage: Ist eine Immobilien- bzw. Baufinanzierung ohne Eigenkapital sinnvoll?


Er bleibt nach wie vor ganz oben auf dem Wunschzettel der meisten Bundesbürger: Der Traum von Eigenheim. Eigentumswohnung oder ein Häuschen im Grünen - für die Zielvorstellung, seine vier Wände sein eigen zu nennen, sind die Deutschen bereit, finanzielle Langzeitverpflichtungen einzugehen. Wer Gespartes hat, für den wird es einfacher. Unsicherheit entsteht, wenn man eine Vollfinanzierung erwägt. Was kann ich mir leisten? Kann ich mit meinem Einkommen an Immobilienfinanzierung ohne Eigenkapital denken? Wann spielt die Bank bei der Baufinanzierung ohne Eigenkapital mit?

Immobilienfinanzierung ohne Eigenkapital ist ein recht junger Markttrend, den vorwiegend ausländische Finanzinstitute etabliert haben. Nach und nach nahmen auch die heimischen Banken Produkte zur Vollfinanzierung von Eigentum in ihre Angebote auf. Doch bleibt diese Finanzierungsform ein Novum für die eher konservativen Kaufinteressenten hierzulande. Die Auffassung, man sollte über mindestens ein Drittel des Kaufpreises an Eigenmitteln verfügen, überwiegt immer noch. Eine goldene Regel, die besagt, wann eine Immobilienfinanzierung ohne Eigenkapital zu empfehlen wäre, gibt es nicht.

Generell gilt: Eine Finanzierung ohne Eigenkapital ist immer ein Risikoschritt und will gut überlegt sein. Wer Wohneigentum erwirbt und ein finanzielles Polster hat, startet besser durch: Der Objektkaufpreis kann höher veranschlagt werden, die Bank reagiert aufgeschlossen auf die Kreditanfrage, der Zinssatz für das geliehene Geld fällt niedriger aus und die monatliche Belastung hält sich in Grenzen. Soll der komplette Kaufpreis finanziert werden, ist eine genaue Überprüfung der Einkommens- und Lebenssituation unerlässlich. Das Hinterfragen der eigenen Lebenslage sollte am Anfang aller Überlegungen stehen. Reicht das Nettoeinkommen des Kaufinteressenten aus, um die monatlichen Raten zu tragen? Sind Beruf und Familienleben so stabil, dass man sich für lange Zeit an einen Ort binden kann? Kein Geldgeber wird bereit sein, über einen Kredit zu reden, wenn der Antragesteller bei diesen Fragen unsicher wird.

Sowohl die Immobilien- als auch die Baufinanzierung ohne Eigenkapital ist mit hoher Belastung verbunden. Für die Kreditsumme von 200.000 Euro muss bei einer Zinsbindung von 15 Jahren im Schnitt mit einem Zinssatz von 5,5 Prozent gerechnet werden. Bei zwei Prozent Tilgung ergibt das eine monatliche Rate von rund 1.300 Euro. Ein sicherer Job und ein relativ hohes Einkommen ist für eine Immobilienfinanzierung ohne Eigenkapital vernünftigerweise die Grundvoraussetzung.

Gitta Kling

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